Ruth Stoltenberg Fotografie
Isolation
Um die Isolation der einzelnen Familien und das Abgetrenntsein von einer zunehmend bedrohlichen Außenwelt sichtbar zu machen, nutzt diese Serie die Glaskugel als zentrales Symbol. Sie fungiert als eine Art fragiler Schutzschild: Einerseits bewahrt sie die Bewohner vor der unsichtbaren Gefahr vor der Tür, andererseits isoliert sie das Innere, um die Welt draußen zu schützen. Gleichzeitig evoziert die Glaskuppel das Bild einer Seifenblase – ein fragiles Gebilde, das jederzeit zerplatzen kann und uns zu einem behutsamen Umgang mit dieser Ausnahmesituation mahnt.
Da das Fotografieren vor Ort nur begrenzt möglich war, bildet Archivmaterial die Grundlage dieser Arbeit. In einem Prozess der physischen Rekonstruktion entstand ein Spiel mit der Zwei- und Dreidimensionalität, das die surreale Wahrnehmung jener Tage spiegelt: Was man sieht, sind keine originalgetreuen Modelle, sondern fotografierte Häuser, die ausgeschnitten und neu gefaltet wurden. Die Glaskugel verstärkt diese künstliche Räumlichkeit und vollendet einen Zyklus der Transformation: von 3D zu 2D zu 3D zu 2D. Diese bewusste Brechung der Perspektive verdeutlicht, dass die gewohnte Realität aus den Fugen geraten war – ein visuelles Signal dafür, dass die Welt nicht mehr stimmig ist.
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