Ruth Stoltenberg Fotografie
Baobabs - Traces of Giants
Diese Serie ist während meines Aufenthalts in der Künstlerresidenz "Waaw" in Saint-Louis im Senegal entstanden. Um den Menschen näher zu kommen, habe ich mich zunächst mit den Baobabs beschäftigt, jenen mythischen und symbolträchtigen Bäumen, die vielen Senegalesen heilig sind und zu denen jeder seine eigene Geschichte zu erzählen weiß. Sie liefern Wasser – ihre Stämme können bis zu 130.000 Liter speichern – sowie Schatten, Nahrung und Medizin. Aus diesem Grund sind sie als „Baum des Lebens“ bekannt und sogar im Wappen Senegals zu sehen.
In dem dicht bebauten Stadtgebiet von Saint-Louis stehen die oft mehrere hundert Jahre alten Baobabs meist inmitten von Wohnblocks und ragen weit über die Dächer hinaus. Sie gelten als unantastbar, da man glaubt, dass sie eng mit den Geistern der Vorfahren verbunden sind. Ihre massiven Stämme, auf die ich meinen fotografischen Blick legte, ähneln versteinerten Riesen und erinnern mich an Elefantenfüße. In der Vergangenheit dienten die oft hohlen Stämme sogar als Gefängnisse oder als Grabstätten für Griots, die traditionellen Sänger und Geschichtenerzähler. Selbst wenn Gebäude erweitert oder neu gebaut werden, bleiben die heiligen Bäume meist unberührt, und die umgebende Architektur wird sorgfältig um sie herum errichtet.
Je mehr Geschichten ich hörte, umso mehr faszinierte mich dieser Baum, der ein durchschnittliches Alter von 800 Jahren und einen Umfang von bis zu 30 Metern erreicht. Baobabs sind äußerst widerstandsfähige Überlebens-künstler, die perfekt an ihre Umgebung angepasst sind. Umso tragischer ist die Tatsache, dass innerhalb der letzten 10 Jahre 8 der 13 ältesten und 5 der 6 größten Affenbrotbäume teilweise oder vollständig abgestorben sind. Dazu gehört auch der älteste bekannte Baum, der 2.429 Jahre alt war und wahrscheinlich dem Klimawandel zum Opfer gefallen ist.
Der Name Baobab leitet sich aus dem arabischen Begriff "bu hibab" ab, was bedeutet: Frucht mit vielen Samen. Er wird auch Affenbrotbaum genannt, weil Affen seine Früchte essen.
Ausstellung "Le temps des apparitions" Ausstellung in der Galerie SIKI, Saint-Louis, Senegal (-> Fotos)
This photo series was created in 2019 during an artist residency in Saint-Louis, Senegal. Seeking a way to get closer to the local people, I began my work by focusing on the baobab trees, which are considered sacred by many Senegalese. These mythical trees provide water - their trunks can store up to 130,000 litres - as well as shade, food, and medicine. For this reason, they are known as the “Tree of Life” and even appear on Senegal’s national coat of arms.
In the densely built urban area of Saint-Louis, the often several-hundred-year-old baobabs are usually located in the middle of housing blocks and rise far above the rooftops. They are regarded as untouchable, as they are believed to be closely connected to ancestral spirits. Their massive trunks resemble petrified giants, and their lower sections, which to me resemble the feet of elephants, became the focus of my photographic approach. In the past, the frequently hollow trunks even served as prisons or as burial places for griots, the traditional singers and storytellers. Even when buildings are expanded or rebuilt, the sacred trees remain untouched, and the surrounding architecture is carefully constructed around them.
Baobabs reach an average age of 800 years and a girth of up to 30 metres. They are extremely resilient survival artists, perfectly adapted to their environment. All the more tragic is the fact that within the last 10 years, 8 of the 13 oldest and 5 of the 6 largest baobabs have partially or completely died. This includes the oldest known tree, aged 2,429 years, which likely succumbed to climate change.
The name “baobab” derives from the Arabic bu hibab, meaning “fruit with many seeds.” In English, the tree is also known as the “monkey bread tree,” mirrored in the German term Affenbrotbaum—both referring to the fact that monkeys enjoy eating its fruit.
©Ruth Stoltenberg / All rights reserved