Schengen_Publikation

Ruth Stoltenberg Fotografie

Video-Präsentation (im Programm der "Rencontres d'Arles 2018")

 

Neuerscheinung im Kehrer Verlag

 

Schengen

 

Festeinband

16,5 x 22,5 cm

112 Seiten, 71 Farbabb.

Fotografien: Ruth Stoltenberg

Autoren: Rolf Sachsse, Ruth Stoltenberg

Deutsch, Englisch, Französisch, Luxemburgisch

ISBN 978-3-86828-886-5

Kehrer Verlag 2018

 

 

Bestellung bitte per E-Mail an: ruth.stoltenberg@t-online.de

29,90 € (inkl. Versand in Dtl.) und auf Wunsch gerne signiert

 

 

 

 

 

 

Schengen ist ein kleines luxemburgisches Winzerdorf an der Mosel und liegt direkt am Dreiländereck Deutschland (Saarland), Frankreich (Lothringen) und Luxemburg. Vor ca. 30 Jahren wurde hier das Schengener Abkommen zur Abschaffung der innereuropäischen Grenzen unterzeichnet, das gerade heute im Hinblick auf die aktuelle Flüchtlingssituation wieder neu diskutiert wird.

 

Ich bin in dieser Grenzregion aufgewachsen und mich interessierte bei meinem Fotoprojekt vor allem die Frage, welchen Einfluss diese Grenzöffnung nach so langer Zeit auf die unterschiedlichen Kulturen und Lebensgewohnheiten der Menschen aus den drei Nationen genommen hat. Es ist vor allem die jüngere Generation, die die Vorteile dieses offenen Europas nutzt. In den Schulen, am Arbeitsplatz und in den Neubausiedlungen mischen sich nach und nach die Nationen und die Sprachen, aber was ist davon nach außen sichtbar? Gibt es länderspezifische, charakteristische Merkmale, wenn man durch die Dörfer geht? Ist z.B. anhand der Architektur, der (Vor)Gärten, Straßen, öffentlichen Plätze ersichtlich, in welchem Land man sich befindet? Oder hat diese von Weinbergen und landwirtschaftlich betriebenen Feldern dominierte Region nicht sowieso ihren ganz eigenen, länderübergreifenden Charakter und Charme? Um das Projekt räumlich zu begrenzen, konzentrierte ich mich auf die drei benachbarten Grenzgemeinden Schengen (L), Perl (D) und Apach (F), die nur wenige Kilometer auseinander liegen.

Pressestimmen

 

"Es ist eine große Herausforderung, dem Gewicht des so komplexen Themas Europa nicht zu erliegen, das gerade in den Zeiten eines aufkommenden Populismus und Nationalismus eine starke Brisanz bekommen hat. Erfreulicherweise sucht Ruth Stoltenberg nicht nach Motiven, die Politik illustrieren und dabei plakativ die Unterschiede der nationalen Identitäten in den Dörfern des Dreiländerecks zur Schau stellen wollen. Sie vertraut vielmehr auf ihre inneren Bilder, die von Kindheits- erinnerungen geprägt sind, und lässt diese in einen neugierigen Dialog mit der heutigen Erscheinung dieser Ortschaften treten. Ihr Blick ist voller Empathie für die Menschen, die dort leben, aber sie hat auch genügend Distanz, um mit einem präzisen Blick die Absurditäten des Alltags mit viel Sinn für Humor in den Fokus zu stellen.

Gerade die Verflechtung einer subjektiven, persönlich begründeten, Perspektive mit einer analytischen Reflexion der politischen Zusammenhänge macht die besondere Qualität dieser fotografischen Arbeit aus.

 

Ein öffentliches Leben findet in diesen Orten kaum statt und deshalb begegnen wir in den Fotografien von Ruth Stoltenberg auch kaum Menschen in den Straßen. Auf indirekte Weise sind die Bewohner der Orte Schengen, Apach und Perl aber in allen Bildern präsent. Die Gestaltung von Fassaden, Hauseingängen, Vorgärten, Spielplätzen, Friedhöfen und Gedenkorten lässt ihre kulturellen, gesellschaftlichen und religiösen Prägungen sichtbar werden. Das Unperfekte der architektonischen Inszenierungen und das manchmal absurd wirkende Aufeinandertreffen von Zeichen und Symbolen im dörflichen Raum wird mit solch feiner Ironie und sorgfältigem Blick fotografiert, dass ein tiefer Respekt für die individuellen Geschichten hinter den Dingen spürbar wird. Diese Liebe für das Detail ist das Gegengift für eine ideologische Distanz zur realen Welt. Sie wirkt Identität stiftend und ist somit in Zeiten einer kollektiven Entfremdung von eminenter Bedeutung.

 

Ruth Stoltenberg hat eine ganz eigene fotografische Bildsprache entwickelt, die mit visueller Virtuosität, engen Ausschnitten und eigenwilligen Perspektiven die Fantasie des Betrachters beflügelt und ihn gleichzeitig zum genauen Hinsehen auffordert. Die Bilder sind nicht dafür geeignet vorgegebene Klischees zu bekräftigen, sondern unterwandern diese mit einer radikal subjektiven Gratwanderung zwischen Schönheit und Tristesse."

(extrait of a review by Wolfgang Zurborn)

 

 

"One of my favourite books from 2018, Shengen. This most significant but inconsequential place, seen through the knowing eyes of photographer Ruth Stoltenberg. Shutter Hub have exhibited Stoltenberg’s work three times during 2018, twice in London, once in Amsterdam.

It’s the straight lines and quirky angles that make it for me, and the houses. Nothing looks real, it’s often hard to tell the difference between the model village buildings, and the plants look like some kind of intricately formed plasticine. Textures and colours. An exaggerated version of the suburban that could not just be anywhere, but everywhere. It’s a surprise to turn the page and see a person, a small girl cycling up hill. So, Shengen is inhabited. A real place, not a ‘Portmerion’ for the Prisoner.

 

The use of juxtaposition in sequencing is a joy. Every page turned discloses another comparison or revelation, some subtle, some less so. I wonder if, at night, all of these objects come alive, shuffle a few steps left, a few steps right. The rounded bushes and pointed trees swap gardens, wondering if anyone will ever notice. No borders, freedom to move, freedom to be."

 

(reviewed for Shutter Hub by Karen Harvey)

 

 

 

"Das Narrativ dieser Fotoserie führt präzise vor, woraus eine europäische Erzählung bestehen kann: Kleine, fast surreale Bildfindungen in vollkommener Ruhe und Gelassenheit, dazu in jedem Bild das Signet einer möglichen Zukunft. Ruth Stoltenberg geht weit über die Interpretation ihres selbst gestellten Themas hinaus - sie schafft eine eigene Erzählung, die eruopäische Bildnovelle vom leicht begehbaren Dreiländereck.

 

Subtil ist die Farbregie des Bildessays: Wenn es denn einmal einen starken Kontrast wie den zwischen dem roten Laternenpfahl und dem grünen Pflanzkorb gibt, dann wird er zart zwischen grauen Wänden zelebriert. Sonst herrschen das ländliche Grün und die westeuropäischen Hausfarben blau und beige vor, unterbrochen von grauen Straßen und in Ehren ergrauten Holzbrettertoren sowie dem durch Hausbrand geschwärzten Rauputz an den Häusern. Selten läuft ein Mensch durchs Bild, und wenn, dann scheint er die Umgebungsfarben angenommen zu haben. Alles ist präzise vorgeführt, niemals wird irgendetwas denunziert – so ist es eben hier, in Schengen, Perl und Apach.

 

Schengen ist klein, der Schengen-Raum groß. Also ist Schengen ein Modell für ein nahes Zusammenleben, bei dem die Unterschiede so klein und groß sind wie die der Menschen, die sich diese Umgebung erarbeitet haben. Die Bilder von Ruth Stoltenberg sind eine ebenso schöne wie nachdrückliche Mahnung an alle Nationalisten, die sich an unnötig aufgebauschten Differenzen aufhalten."

(Rolf Sachsse)

 

"Ruth Stoltenberg geht mit ihrer Kamera ganz nahe ran, interessiert sich für minimale Details: den Eingang eines unbewohnt wirkenden Hauses. Eine Häuserwand, von der der Putz abblättert. Einen Vorgarten, in dem das Unkraut wuchert. Einen verlassen daliegenden Kinder-Spielplatz. Die Tür zu einem verschlossen Stall. Ein heruntergelassenes Garagentor. Religiöse Symbole, die überall aufgestellt sind, denn die Menschen sind hier offensichtlich stark im Glauben verwurzelt.

 

Es ist sehr leer und sehr leise auf den Fotos, die einen melancholischen Eindruck vermitteln, als würde die ganze Gegend im Tiefschlaf liegen, etwas zu Ende gehen und noch niemand so genau wissen, wie und ob es weitergehen könnte.

 

Die Fotos erzählen davon, dass wir nicht Abschottung und neue Grenzen brauchen, sondern Menschen, die zu uns kommen, uns vor Vergreisung und Entvölkerung weiter Landstriche bewahren und Europa – als wunderbare Idee und wunderbaren Lebensraum – weiter entwickeln und immer wieder neu erfinden."

(Frank Dietschreit)

 

 

"Ruth Stoltenberg dokumentiert die Formensprache im Dreiländereck zwischen Luxemburg, Frankreich und Deutschland: Erinnerungen an bäuerliche Bauweisen, Relikte der Französischen und der industriellen Revolution, zwischen Ideal und Guillotine, gelungen und verbaute Architektur, unfreiwillige Ornamente und fahrlässige Hässlichkeit, Zugänge und Abschottungen. Die Aufnahmen legen die Inszenierungen des Alltags offen und erlauben die Frage nach möglichen provinziellen, nationalen oder europäischen Bezügen."

(Peter V. Brinkemper)

 

 

 

 

Präsentation des Buchprojektes bei der DFA-Tagung in Leinfelden-Echterdingen am 30.04.17 -> Live Stream

 

 

 

Auszeichnungen

 

- Übernahme von 15 Fotografien in die Sammlung des Nationalmuseums CNA (Centre national de l'Audiovisuel) Luxemburg

- Übernahme des Bildbandes in die Martin-Parr-Collection im Tate Modern London

- 1. Preis Opus-Fotopreis 2017 des Opus-Kulturmagazins Saarbrücken

- 1. Preis Prix Phot'oeil 2017 in Cérbère, Frankreich.

- Nominierung für den Dummy Book Award Arles 2017

- Teilnahme bei der "Nuit de l'Année" im Programm der Rencontres d'Arles 2018

- Teilnahme an der Ausstellung "Borders" in Zus.arbeit mit ShutterHub, Marchland und dem Bridewell Theatre in London

 

Ausstellungen

 

24.01.-17.03.2019 Galerie im Tempelhof Museum Berlin

6.12.10 - 21.01.2019 Shutterhub Open 2018, The Encore! in der 5&33 Gallery, Amsterdam

03.-09.10.2018 Shutterhub Open 2018 in der Old Truman Brewery, London (Gruppenausstellung)

26.01.-21.02.2018 Abbey Neumünster in Luxemburg, Luxemburg (Gruppenausstellung)

15.01.-16.04.2018 Bridewell Theatre in London, Großbritannien (Gruppenausstellung)

26.10.-25.11.2017 Galerie der HBK Saar in Saarbrücken (Gruppenausstellung)

29.09.-02.10.2017 Hotel Belvédère, Rencontres Photographiques Cerbère, Frankreich (Einzelausstellung)

14.06.-30.06.2017 Stadtmuseum Kaiserslautern (Gruppenausstellung)

11.-16.06.2017 Kunstquartier Bethanien, Berlin (Gruppenausstellung)

10.-16.06.2016 Kunst- und Kreativhaus Potsdam, im Rahmen des Europ. Monats der Photographie 2016 Berlin (EMOP)

 

Opus-Kulturmagazin Juli/Aug. 2017

 

Katalog zur Ausstellung der Preisträger

des Opus-Kulturmagazin Fotopreis 2017

 

03.07.-24.09. 2017

Les Rencontres de la Photographie Arles

 

Auslage im Rahmen des Dummy Book Awards im Atelier de la Mécanique in Arles