Friedrich II

Ruth Stoltenberg Fotografie

erschienen im Selbstverlag, Potsdam, 2012

 

Jeder nach seiner Facon

Künstlergruppe Bogota K.T. Blumberg, B. Hoerkens, D. Seitz, R. Stoltenberg

 

Autoren: Jutta Götzmann, K.T. Blumberg, B. Hoerkens, D. Seitz, R. Stoltenberg

Satz und Layout: Ruth Stoltenberg

Bildediting: Wolfgang Zurborn

17x24 cm, 64 Seiten, 40 Farbabbildungen

Deutsch/Englisch

ISBN 978-3-00-037104-2

 

Bestellung per E-Mail an: ruth.stoltenberg@t-online.de

14,00 € (inkl. Versand in Dtl.) und auf Wunsch gerne signiert

 

 

 

 

 

 

„…denn hier muss ein jeder nach seiner Façon selig werden“ – dieses bekannte Postulat Friedrichs II. aus dem Jahr 1740 war das Thema einer fotografischen Auseinandersetzung, dem ich mich zusammen mit drei weiteren FotografInnen der Gruppe Bogota gewidmet habe. Anlass war der 300. Geburtstag Friedrich II. im Januar 2012. Der Reiz der Arbeit lag darin, zeitgenössische Bezüge herzustellen und nicht Geschichte zu illustrieren. Um die vielseitigen Begabungen und die widersprüchliche Persönlichkeit dieses einzigartigen Monarchen anzudeuten, haben wir Fotografen uns Unterthemen gewählt, die dann jeder individuell umgesetzt hat.

 

Ich widmete mich der Thematik Friedrich II. und sein Volk und betitelte meine Serie "Der Alte Fritz"

 

Dazu reiste ich in die ehemaligen Kolonistendörfer, die Mark Brandenburg sowie den Oderbruch und war erstaunt, wie offen und begeistert die heutigen Bewohner von ihrem „Alten Fritz“ erzählten. Das vielseits zugefügte Leid scheint vergessen oder toleriert. Sie ehren „ihren“ König nicht nur mit Denkmälern auf Marktplätzen und Abbildern in Museen, sondern auch ganz im Privaten. Aus den unterschiedlichsten Materialien steht er als Figur auf Fensterbänken, Kommoden und Regalen oder hängt an Wänden in privaten Räumen und erzählt eine jeweils ganz eigene, kleine Geschichte. Und genau dieses Nebeneinander, das Verschmelzen von Historie und Gegenwart habe ich versucht, in meinen Fotografien einzufangen.

 

 

 

 

"Die Fotografin Ruth Stoltenberg hat sich auf die Reise begeben. Sie war in den ehemaligen Kolonistendörfern unterwegs – in der Mark Brandenburg, dem Oderbruch und der Weberkolonie der 1764 von Friedrich gegründeten Planstadt Zinna. Nach dem verlustreichen Siebenjährigen Krieg sollten Kolonisten durch materielle Anreize angezogen und die eigene Wirtschaft wachstumssteigernd ausgebaut werden. Auch Potsdam erhob Friedrich trotz widriger Standortfaktoren zu einer blühenden Manufakturstadt, die Einwanderer anzog. Friedrich besaß eine erstaunlich große Akzeptanz beim Volk – auch wenn sich einige seiner Reformen, wie der Versuch, die Folter abzuschaffen, erst zögerlich durchsetzten. Seine Beliebtheit entsprang vielmehr dem Mythos des volksnahen, selbstlosen Königs, der sich für das Allgemeinwohl einsetzt.

Diesem Thema widmet sich Ruth Stoltenberg auf ihrer fotografischen Tour durch ländliche Regionen und Dörfer. Sie besucht die heutigen Bewohner und trifft auf eine unerwartete Offenheit und Begeisterung für den „Alten Fritz“. Jenseits der militärischen Schlachten und dem wirtschaftlichen Elend großer Bevölkerungsschichten hat sich im kollektiven Gedächtnis der Befragten ein fast gänzlich verklärtes Friedrich-Bild bewahrt.

Dies äußert sich in der Ehrung „ihres Königs“ in der Privatsphäre des bürgerlichen Umfelds. In volkstümlicher Manier finden sich Friedrich-Devotionalien aus Porzellan, Glas, Holz, Bronze, Wachs oder Schokolade – der „alte Fritz“ ist omnipräsent. Ruth Stoltenberg hat das „Überleben“ Friedrichs des Großen in den Haushalten und Bürgerstuben, auf Fensterbänken, Kommoden und Regalen eingefangen. Die Figuren, Büsten und Wimpel sind nicht museal exponiert, sondern in die häusliche Umgebung der Bewohner integriert. Sie werden damit zum Bestandteil ihrer persönlichen Geschichte. Die Künstlerin zeigt spannungsvolle Überschneidungen von Figuren und Spiegelungen oder ungewöhnliche Arrangements in Bücherregalen.

In ihren Fotografien verschmelzen die zeitlichen Ebenen von Vergangenheit und Gegenwart sowie die inhaltlichen von Bild und Abbild, von Kunst und Kitsch."

Dr. Jutta Götzmann